
Datteltäter
Zwei gegensätzliche Markenwelten — professionelle Filmproduktion und junge Creator-Academy — in einer Website vereint, ohne dass eine die andere verwässert. Ergebnis: die erste vollständig digitale Online-Bewerbungsplattform für das funk-Format Datteltäter.
Überblick
01 —Auf den ersten Blick
Datteltäter kam mit einer Aufgabe zu mir, für die es intern noch keine Idee gab: Zwei Zielgruppen, zwei Tonalitäten, zwei gestalterische Welten, aber nur eine Website. Dazu ein Bewerbungsprozess, der so umständlich war, dass er potenzielle Talente unterwegs verlor.
Meine Antwort: ein Auswahl-Screen als Einstieg, ein Toggle direkt im Logo für den Wechsel zwischen beiden Welten und ein Online-Formular, das die Bewerbung erstmals komplett auf der Seite möglich macht. Ergebnis: viele Bewerbungen pünktlich zur neuen Season und ein Prozess, der für Bewerber:innen wie für das screenende Team spürbar leichter wurde.
02 —Die Ausgangslage
Hinter dem Format standen zu diesem Zeitpunkt zwei Stränge:
- Datteltäter GmbH: die professionelle Produktionsseite. Sie sollte gegenüber Partnern und Sponsor:innen seriös und kompetent auftreten.
- Datteltäter Academy: das Nachwuchsprogramm. Es sollte junge, kreative Menschen ansprechen und für gemeinsame Projekte gewinnen.
Der Kunde war sich in einem Punkt sehr sicher: Beide Welten sollten ihren eigenständigen Charakter behalten. Gesucht war also kein gemeinsamer Nenner, der beide verwässert, sondern eine Struktur, in der beide voll zur Geltung kommen. Wie das aussehen könnte, war offen. Genau diese konzeptionelle Lücke zu schließen, war mein eigentlicher Auftrag.
Dazu kam ein Termin: Die Academy-Seite musste rechtzeitig zur kommenden Season stehen, weil aktiv Bewerbungen eingesammelt werden sollten. Die Website war damit kein Image-Projekt, sondern ein Recruiting-Werkzeug mit Deadline.
03 —Die Herausforderung
Zwei Fragen mussten gleichzeitig beantwortet werden.
1. Wie bringt man zwei gegensätzliche Marken auf eine Website? Ohne dass eine Welt die andere optisch überlagert, ohne dass Besucher:innen die Orientierung verlieren, auf welcher Seite sie gerade sind, und ohne dass der Wechsel zur Rutschpartie wird.
2. Warum bewirbt sich kaum jemand? Ein kurzer Blick auf den bestehenden Ablauf reichte für die Diagnose. Wer sich bewerben wollte, musste die Website verlassen, ein Dokument herunterladen, es ausfüllen, neu abspeichern und anschließend eine separate E-Mail aufsetzen. Jeder dieser Schritte ist eine Hürde, an der Menschen abspringen. Viele brachen aus Frust ab, bevor sie überhaupt fertig waren.
Für das Design hieß das: Es reichte nicht, die Academy hübsch zu integrieren. Der Prozess selbst musste weg vom Download-Formular und hin zu einer direkten Online-Bewerbung.
04 —Vorgehen & Zusammenarbeit
Gestalterisch und konzeptionell habe ich solo gearbeitet, inhaltlich war das Projekt aber von Anfang an eng mit dem Kunden verzahnt. Ich hatte feste Ansprechpartner:innen bei Datteltäter, mit denen ich das Konzept laufend abstimmte und von denen Bildmaterial und Inhalte kamen. Younes Al-Amayra hat die Entwürfe gesichtet und die Richtung mitdefiniert.
Bei einem Kunden ohne klare Zielvorstellung ist Transparenz das wichtigste Werkzeug. Statt fertige Tatsachen zu präsentieren, habe ich regelmäßig Stand und Optionen gezeigt und Entscheidungen gemeinsam getroffen. Das hat Vertrauen geschaffen und dafür gesorgt, dass das finale Konzept am Ende wirklich getragen wurde.
05 —Die Idee: getrennt, aber verbunden
Mehrere Entwürfe und Stilrichtungen standen zur Diskussion. Im Austausch mit dem Kunden kristallisierte sich eine Lösung aus drei Bausteinen heraus.
1. Der Auswahl-Screen
Statt Besucher:innen direkt in eine der beiden Welten zu werfen, begrüßt sie zuerst eine ruhige Weiche: links die Datteltäter-Seite, rechts die Academy. Das positioniert beide von der ersten Sekunde an als gleichwertig und eigenständig.
2. Zwei eigenständige Welten
Nach der Entscheidung befindet man sich auf einer ganz normalen Website mit eigenem Stil, eigener Tonalität und eigenen Unterseiten. Die GmbH-Seite tritt professionell und partnerorientiert auf, die Academy jung, kreativ und einladend.
3. Der Logo-Toggle
Der entscheidende Kniff: Über das Logo oben links lässt sich jederzeit zwischen beiden Welten umschalten. Kein klobiger Extra-Menüpunkt, kein verwirrendes Dropdown. Das Element, das ohnehin für Markenidentität steht, wird zum Schalter zwischen den Identitäten. Die Trennung bleibt klar, der Wechsel ist trotzdem immer nur einen Klick entfernt.
06 —Das Herzstück: Online-Bewerbungen
Der funktionale Kern der Academy-Seite ist das Bewerbungsformular. Nachwuchstalente tragen ihre Angaben direkt auf der Seite ein und laden eigene Inhalte und Materialien gleich mit hoch. Fertig.
Damit wanderte ein verstreuter, manueller Ablauf auf eine zentrale, strukturierte Plattform. Bewerber:innen erledigen alles an einem Ort in einem klaren Ablauf, das Team bei Datteltäter bekommt Bewerbungen in einheitlicher Form und kann sie deutlich schneller sichten.
07 —Umsetzung
Auf Wunsch des Kunden habe ich die Website in Wix gebaut und war für Konzeption und technische Realisierung gleichermaßen verantwortlich. Die beiden eigenständigen Welten samt Toggle-Logik liefen reibungslos. Ich arbeite routiniert mit Baukasten- und No-Code-Plattformen und bringe Erfahrung aus Tools wie Webflow mit, sodass auch anspruchsvollere Interaktionskonzepte sauber innerhalb der jeweiligen Plattform umsetzbar sind.
Zusätzlich zur Struktur habe ich der Seite mit gezielten Interaktionen und Bewegungen Leben eingehaucht, damit beide Welten lebendig und hochwertig wirken.
08 —Design System
Markenkern
Grundstimmung: selbstbewusst, jung, migrantisch-empowernd, redaktionell, irgendwo zwischen Streetwear und Literaturmagazin. Die Ansprache ist verspielt und menschlich: Du-Ansprache, Emojis erlaubt, Micro-Copy mit Augenzwinkern („This area is still boiling ;)", „sag SALAAM!").
Farben
- Lime als Signalfarbe der Academy. Bewusst sparsam eingesetzt: Logo, ein Akzent pro Screen, Hover-States. Nie flächig, damit die Farbe ihre Wirkung behält.
- Helle Sektionen als ruhige Basis für Text und Inhalte.
- Dunkle Sektionen als Kontrastflächen, die das Redaktionelle betonen und den Rhythmus der Seite setzen.
Typografie
Zwei Schrift-Welten im Zusammenspiel:
- Serifen-Display für Headlines. Sie bringt Haltung und den redaktionellen Magazin-Charakter.
- Geometrische Sans für alles andere. Sie hält Fließtext, Navigation und Formular klar und ruhig.
Der Kontrast zwischen beiden erzeugt Spannung, ohne laut zu werden.
Formen und Texturen
- Key-Visual Startseite: Das Layout ist an zwei nebeneinanderstehende Monitore angelehnt, eine direkte Metapher für das Medium Video, mit dem Datteltäter und die Academy täglich arbeiten.
- Runde Ecken: Sie geben dem Interface einen charmanten Röhrenfernseher-Flair.
- Taktile Texturen: Kein flacher Hintergrund. Helle Sektionen liegen auf zerknittertem Papier, dunkle auf zerkratztem Film- und Grunge-Grain. Das gibt der Seite Wärme und Handschrift.
09 —Ergebnisse & Wirkung
Die Website hat genau das geleistet, wofür sie gebaut wurde:
- Viele Bewerbungen kamen über die neue Online-Plattform herein, pünktlich zur Season, die der Auslöser für das Projekt war.
- Durchweg positives Feedback: Der Prozess lief für alle Beteiligten einfacher als in den Jahren zuvor, für Bewerber:innen wie für das screenende Team.
- Aus Unklarheit wurde Klarheit: Aus „Wir wissen nicht, wie wir das zusammenbringen sollen" wurde eine funktionierende Website mit einem Navigationskonzept, das der Kunde mitgetragen und freigegeben hat.
10 —Stimme des Kunden
Mit Ipek zu arbeiten war richtig angenehm. Sie hat unsere Marke und unsere Ziele schnell verstanden und nicht einfach abgearbeitet, was man ihr sagt, sondern mitgedacht und eigene, clevere Lösungen eingebracht. Wir hatten eine knifflige Aufgabe, zwei sehr unterschiedliche Welten unter einem Dach zu vereinen. Sie hat das von Konzept über Design bis zur fertigen Seite souverän und eigenständig umgesetzt. Was sie besonders macht: kreatives Denken, das trotzdem strukturiert und durchdacht ist. Sie liefert nicht nur schön, sondern auch sinnvoll. Sehr zu empfehlen.
Younes Al-Amayra
Regisseur & Gründer, Datteltäter
11 —Reflexion
Dieses Projekt ist für mich ein gutes Beispiel dafür, dass die wertvollste Designarbeit oft vor dem ersten Pixel passiert. Die eigentliche Leistung lag nicht im hübschen Interface, sondern darin, ein strukturelles Problem zu lösen, das der Kunde selbst noch nicht greifen konnte, und dafür eine Antwort zu finden, die im Nachhinein selbstverständlich wirkt. Genauso wichtig war die enge Zusammenarbeit: jemanden durch einen unklaren Ausgangspunkt hindurch an die Hand zu nehmen, ist mindestens so entscheidend wie die Gestaltung selbst.
12 —Hinweis zum aktuellen Status
Die Website ist heute nicht mehr online, da Datteltäter die Academy nicht weiterführt. Konzept, Design und die funktionierende Bewerbungsplattform bleiben davon unberührt. Die Screenshots und Aufnahmen zeigen den finalen Stand der Website zu der Zeit, als sie live war.